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Wie können ältere und kranke Menschen im ländlichen Raum künftig unterstützt werden, wie kann ihre Selbstständigkeit möglichst lange erhalten bleiben? Und: Welche bezahlten Arbeitsmöglichkeiten gibt es für Frauen im ländlichen Raum?
Diese Fragen stellen sich derzeit in vielen Gemeinden. Ein innovatives Konzept für diese Anliegen entwickelten Frauen der Katholischen Landfrauenbewegung in Gaienhofen am Bodensee: Die Nachbarschaftshilfe „Hilfe von Haus zu Haus“.
Die Idee entstand während eines Kurses der Kath. Landfrauenbewegung in hauswirtschaftlicher Altenhilfe in Gaienhofen. 21 Wochen dauert dieser Kurs, der Angehörige grundlegendes Wissen zur Altenpflege vermittelt. Während der Schulung war deutlich geworden, dass in der Gemeinde großer Bedarf an nachbarschaftlicher Hilfe bestand und dass die Kursteilnehmerinnen nach einer bezahlten Tätigkeit suchten.
Von der Idee bis zur Umsetzung waren zwei Jahre intensiver Arbeit nötig, mußten viele Gespräche mit politisch Verantwortlichen geführt, etliche organisatorische Hindernisse bewältigt werden. Am 30. April 2003 konnte mit der Vereinsgründung der Nachbarschaftshilfe „Hilfe von Haus zu Haus e.V.“ endlich der Startschuss fallen: Zwanzig Helferinnen, koordiniert von zwei engagierten Einsatzleiterinnen, können nun vor Ort ihre Hilfe anbieten. 47 Anwesende traten noch am Abend der Gründungsversammlung bei. Ende 2003 hat der Verein bereits 100 Mitglieder!
Ziele und Umsetzung in Gaienhofen
Der Verein hat das Ziel,
- älteren, kranken und behinderten Menschen bezahlbare hauswirtschaftliche Betreuung und Begleitung zu gewährleisten;
- ihnen dadurch die Chance zu bieten, so lange wie möglich im eigenen Lebensbereich zu bleiben und die eigene Selbstständigkeit zu bewahren.
- pflegende Angehörige zu entlasten;
- Familien bei der Versorgung kranker und behinderter Angehöriger zu unterstützen,
- verschiedene Formen der Kinderbetreuung und die Vermittlung von Tagesmüttern anzubieten und dabei
- Arbeitsmöglichkeiten für Frauen im ländlichen Raum zu schaffen.
In ihrem Büro im Johanneshaus, Gaienhofen sind die beiden Einsatzleiterinnen an zwei Tagen in der Woche erreichbar.
Die Nachbarschaftshilfe begreift sich als Ergänzung zur Sozialstation und zum Dorfhelferinnenwerk, die für Pflege- bzw. für hauswirtschaftliche Einsätze die ersten Ansprechpartner sind. Sie möchte mit den bestehenden Pflegeeinrichtungen in keiner Weise konkurrieren. Mit der Sozialstation Radolfzell hat sie einen Kooperationsvertrag. Die „Hilfe von Haus zu Haus“ setzt im Kleinen an - etwa dann, wenn eine Pflegeperson stundenweise vertreten werden möchte. Die Helferinnen arbeiten auf „400-Euro-Basis“, der Stundensatz für die Hilfe liegt bei 10,50 Euro.
Die Nachbarschaftshilfe Gaienhofen finanziert sich über:
- Anteil am Entgeld für Dienstleistungen,
- Mitgliedsbeiträge und Spenden,
- Zuschüsse der evangelischen und die beiden katholischen Kirchengemeinden und
- einem Zuschuss der politischen Gemeinde.
In den ersten beiden Jahren bekommt der Verein außerdem eine Förderung des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg. Diese Gelder werden an innovative Frauenprojekte im ländlichen Raum vergeben, die neue Ideen und Konzepte zur Erschließung von Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten entwickeln.
„Hilfe von Haus zu Haus“ als Pilotprojekt
Die Diözesanstelle der Katholischen Landfrauenbewegung KLFB hat die Frauen in Gaienhofen bei ihrem Engagement unterstützt, organisatorische Fragen geklärt und den Prozess bis zur Vereinsgründung begleitet.
Die Idee der „Hilfe von Haus zu Haus“ könnte auch in anderen Gemeinden im ländlichen Raum ein sinnvolles Angebot für ältere, behinderte oder kranke Menschen, für Familien und pflegende Angehörige sein und nicht zuletzt für Frauen, die eine Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeit suchen.
Weitere Informationen über das Projekt in Gaienhofen:
Hilfe von Haus zu Haus e.V.
Johanneshaus
Kirchgasse 2
78343 Gaienhofen/Horn
Tel. 07735/919012 (Mo + Do 9:00 11:00 Uhr)
Fax. 07735/919016
e-Mail: hilfe-von-haus-zu-haus@t-online.de
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